550 Jahre Universität Freiburg

Wenn für das Wochenende Hitzerekorde angekündigt sind und morgens um 8 Uhr schon über 20 Grad herrschen … was könnte man dann machen? Baggersee? Rauf auf die Berge? Entspannen auf dem Balkon? Oder doch lieber arbeiten gehen, am besten da wo es richtig heiss ist, nach Freiburg …

Dort feiert die hiesige Universität ihr 550 jähriges Bestehen, und hat sich als Headliner die SWR3 Band eingeladen, so sehe ich auch mal wieder meine Fast-Heimatstadt. Da sich der Herr Monitormann der Dekadenz hingibt mit dem Motorrad anzureisen, fahre ich morgens mit Oli (Stagemanager)& Mario (Lichtler) im LKW gen Freiburg, was wie zu erwarten sehr kurzweilig wird. Nach mehreren Anläufen schaffen wir es in Freiburg auf auf das Gelände zu kommen.

Bühne

Erster Eindruck … schöne grosse Bühne, steht aber in einem Innenhof bei KG 2, etwas seltsam positioniert, und wenn ich mir das so anschaue wird das heute nocht unbedingt der reine Spaß .. mal sehen wie dieses unregelmässige Beton-Oktagon so klingt …

Auf der Bühne treffe ich gleich einen alten Bekannten von Stage Concept, der mir dann noch seine Mitstreiter vorstellt, zwei irre Schweizer Brüder, die den Rest des Tages noch für viel Kurzweil sorgen werden ;-)

Bühne

Daniel, der eine Teil und mein Freunplatzbetreuer, richtet mit mir den Frontplatz ein, so müsste das immer sein, File auf Stick, Stick auf SD Card, ins Pult gesteckt und ….. fertig !!! Nach 10 Minuten ist der FOH so weit klar, und ich gehe nach vorne um den Herren auf der Bühne zu helfen. Inzwischen sind auch die Hands da, heute haben wir genügend Zeit, so das der Aufbau sehr unstressig verläuft … wenn es nicht so heiss wäre. Mir läuft bald wie allen anderen auch der Schweiss in Strömen, und ich kann gar nicht soviel Apfelschorle nachtrinken wie ich schwitze … irgendwann im Sommer bekomme ich von dem Zeug schier eine Allergie …

Bühne

Irgendwann mittags trifft die Band ein, und beim Soundcheck merke ich was mir den Rest vom Tag noch schwer zu schaffen machen wird: Trotz des akustischen Supergau-Szenarios haben es die Herren Schweizer geschafft, die Beschallung ganz gut in den Griff zu bekommen, es wird nach hinten zwar etwas leiser, als es das Vertec zulassen würde, aber so ballern sie wenigstens an nicht soviel Betonwände …. bis auf die Kante des KG2, die genau in eine der Bananen hineinragt und einen Teil direkt auf die Bühne zurückschickt …. Feedback ick hör dir … und es gibt einen Platz, wo es WIRKLICH beschissen klingt …. das ist das FOH Zelt …. Dankeschön ..

Beim Soundcheck geht der 100 Meter lauf los, Kanal auf, reinhören, Regler hoch, aus dem Zelt turnen, 20 Meter nach vorne rennen, zurück, korrigieren, wieder raus & vor, zurück usw. etc. pp. Gesammtklang ist ganz in Ordnung, nur nicht im FOH zelt …. und ich muss mich heute zurückhalten, wir haben über 10 dB Lautstärkeabfall bis zum FOH, wenn ich bei Gas gebe bringe ich die Leute vor der Bühne um. Also wird es heute eh nicht so spassig. Wusste ich ja schon. Jammer …

Nach uns macht die Vorband Fahrenheit ihren Soundcheck …. was sich zu einer Art Running Gag der nächsten 2 Stunden entwickelt. Der Tontechniker kennt das Digitalpult nicht und lässt den FOH Betreuer nach Anweisung mischen, weiss aber selber nicht genau wie es klingen soll, die Musiker auf der Bühne sind sich weder über Aufstellung, Verkabelung, Mikrofonanzahl noch Monitorwege einig, dazu gibt es zwei halbrichtige Bühnenanweisungen, was zu einer Art “Soundcheckmarathon” von gefühlten 4 Stunden führt. Als endlich Alles verkabelt ist gehe ich ins Catering, esse gemütlich, gönne mir noch einen Kaffee, wandle wieder nach draussen um vielleicht noch das Ende zu hören, aber die Herren sind erst bei dem Drums … die Band ist entspannt, meine zwei Herren aus der kleinen Alpenrepublik dagegen leiden allerdings unter akutem Bluthochdruck & Schnappatmung …

So schaffen es Fahrenheit, trotz Aufbaubeginn 15 Uhr fast eine Punktlandung hinzulegen, um 18 Uhr geht der Soundcheck mit 15 Minuten Pause direkt in den Auftritt über … so bleibt man wenigstens warm ;-) Spielen tun die Damen & Herren ja ganz gut, nur das letzte extrem groovefreie Funkmedley …eieieiei … aber erst mal sehen was meine Jungs & Mädels heute so verbrechen …

Bühne

Bühne

Nachdem Josh eine halbe Stunde aufgewärmt hat, geht die Band auf die Bühne, und auch der Platz füllt sich ziemlich schnell. Bald kann ich nicht mehr nach vorne turnen, um den Sound auf dem Platz zu hören, weil ich einfach nicht mehr durchkomme. Draussen scheint alles gut zu sein, ich muss mich aber ziemlich auf meine Kopfhörer verlassen, weil es bei mir im Zelt vollkommen anders klingt. Dazu komme noch, das der Wind perfiderweise genau durch den FOH zieht, und ich andauernd Windverwehungen habe. Die eine Sekunde schneiden mir die Becken fast die Ohren durch, dann sind sie weg, alles schwingt vor sich hin … draussen auf dem Platz hört man aber kaum etwas davon … es ist sehr schwer sich so zu konzentrieren, und irgenwie auch sehr unbefriedigend, weil ich kaum HÖRE was ich mische. Dazu kommt noch, das der FOH seltsam isoliert ist, obwohl inzwischen bestimmt 3500 Leute auf dem Platz stehen höre ich sie kaum schreien oder mitsingen, obwohl ich an den glücklichen Gesichtern der Band sehe das sie das tun .. strange.

Bühne

Im zweiten Set macht mein Frontplatzbetreuer einen Deal mit den Mädels vom Getränkestand hinter uns und nimmt die Rückwand aus dem FOH, dadurch wird der Klang etwas offener, die Damen können mehr sehen und wir bekommen Freibier … ahh schon besser ;-) Ausserdem kommt jetzt endlich der Moment, wo der Herr Leadgitarrist seine extrem schwule neue Ibanez JEM Metalklampfe auspackt, die beim Solieren durch LED´s grün fluoresziert … da fehlen einem die Worte, aber Gitaristen sind halt so … ;-))

Bühne

Gegen Ende bekomme ich endlich auch etwas Spaß, muss mir aber immer wieder auf die Finger hauen, um nicht zu laut zu machen. Um 23 Uhr ist Schluss, für uns geradezu frühmorgens, normalerweise fangen wir ja oft erst um 24 Uhr an zu spielen … Lärmschutzbestimmungen haben auch ihre guten Seiten … ;-)

Nach dem kurzen Abbau bin ich auf einmal total groggy, cancele alle “Nochkurzwastrinken” Pläne und verschwinde mit Mario & Sushi im Hotel, um über Feierabendbier und Emails schier direkt einzunicken …. war doch anstrengender als ich dachte.