Seenachtsfest Konstanz 2007

5.30 der Wecker fräst sich gnadenlos in meinen Gehörgang, ich quäle mich aus dem Bett, während meine Familie friedlich weiterschnarcht, die müssen ja heute auch nicht arbeiten … ein Blick nach draussen, Nebel,kalt, Nieselregen … genau das richtige für ein Open Air am See …. schüttel …

Nach der intravenösen Gabe von 8cl medizinischem “Illy schwarze Röstung” sammle ich mein Hab und Gut, küssse meine Liebsten im Schlaf und lenke den Familientwingo gen Lager Ötigheim, ich habe nämlich heute die Ehre, im Truck mit dem Herren Lichtmann zu fahren, da unser Produktionsleiter Oli Catarius nach einem “Fehltritt” in Freiburg leider ausfällt. Aber wir haben ja eh nur Backline & Pulte dabei, das sollten wir auch allein hinbekommen.

Sanft schaukeln wir durch den Regen, eigentlich ganz gemütlich so ein LKW, ich will da gar nicht raus in die Suppe. Auch in Konstanz angekommen will keine rechte Begeisterung aufkommen, der Bodensse in Nieselregen & Nebel ist einfach kein Anblick der das Herz erwärmt … anyway, wir sind ja hier um ein Konzert zu geben und nicht zum Sonnenbaden …

Buehne

Erst mal aus dem LKW gefallen und über den Platz geschlappt. Ganz schöne kleine windschiefe Bühne, dafür ein FOH Zelt/Bühne/Podest auf dem 30 Leute Rock´n Roll tanzen können. Richtige PA Wings haben sie sich dieses Jahr auch gespart, so hängt das schöne Meyer MILO tropfend im Regen, naja ist ja Profizeug und kann was ab. Noch nie drüber gemischt, bin mal gespannt.

Buehne

Also munter aufgebaut, mein FOH Krempel steht innerhalb einer halben Stunde, ist ja auch wahrlich genug Platz. Sushi hat auf der Bühne mehr Probleme, es muss seinen Monitorplatz erst einmal wasserfest machen, es regnet ganz schön rein. Die Bühne ist eh nicht gerade mit Liebe gebaut, Gott sei Dank ist Oli heute nicht dabei, der hätte jetzt schon einen Herzinfarkt. Nachdem das Monitorpult wasserdicht steht, geht auch die Bühnenverkabelung recht schnell, Soundcheck machen wir heute eh keinen richtigen, sondern nur einen kurzen Linecheck über Kopfhörer kurz vor dem Konzert.

Umso besser muss ich mir die Anlage anhören … die spielt aber wirklich anständig. Nach ein paar Titeln bin ich beruhigt, aus der Ecke heute keine Probleme. Und tatsächlich wird das Wetter auch noch langsam besser, vielleicht haben wir ja doch noch Glück …

2 Vorbands sind heute am Start, wohl auch eine Sparmaßnahme, sonst waren es immer mehr. Und die Erste, die gerade aufbaut, hat auch bestimmt nicht viel Geld gekostet …. eine mittlere Schülerband, mit klassischem Gesammtschul-Bandraum Instrumentarium, so kommt es jedenfalls rüber. Das Schlagzeug sieht auf jeden Fall orginal nach Orff aus …

Der arme Schweizer Tonmann, der für die Vorbands gebucht ist gibt alles, aber nach Bassdrum & Snare, die weder irgendwie klingen geschweige denn vom Drummer überhaupt richtig getroffen werden, spreche ich ihm mein Beileid aus und verziehe mich ins Catering, um das Drama gedämpft aus der Ferne zu verfolgen.Wie immer muss ich viel Kaffee trinken, bis die Band endlich ein Einsehen hat.
Die zweite Vorband sind zwei Akkustikgitaristen incl. Cachone, die ihre Instrumente beherschen und die übliche 29 min halbfreiimprovisierten Worldmusic-Stücke spielen, aber ganz nett anzuhören.

Buehne

    Pünktlich zur ersten Band lässt sich dann tatsächlich langsam die Sonne sehen und es wird immer wärmer, das lässt hoffen, und langsam füllt sich auch das Rund vor der Bühne. Die erste Band ist zwar nicht besser als beim Soundcheck, macht das aber duch ungebremsten Enthusiasmus wett und kommt doch ganz gut an, soweit die Leute ihr Hände von Steak & Pommes hochkriegen, um zu klatschen.
    Die zweite Band macht dann schon mehr Spaß, allerdings entdecke ich mit Entsetzen, das diese (wiederum wohl aus Ersparnisgründen) über 4 Stunden spielen …. und irgendwann ist meine Lust an ellenlangen Gitarrensoli, esoterischen Delays und Geschichten über Delfine in Neuseeland dann auch ziemlich am Boden …

    Endlich endlich Feuerwerk, während alles gen Himmel starrt, machen wir einen kurzen Soundcheck auf der Bühne, ich hör über den Kopfhörer rein, scheint alles gut zu sein, ein wenig Spannung bleibt aber …
    Kurze Ansage, dann geht es los, ich mache den Master auf …. geht doch, klingt sogar ausgesprochen gut. Die Meyer PA macht ihren Job gut, und der Herr Systemmann hat auch seine Hausaufgaben gemacht. So wird das ganze Konzert endlich mal wieder ein ungetrübter Spaß für den Tonmann, und auch Band & Publikum feiern ordentlich, so muss das sein.

    Buehne

    Buehne

    Leider verplempern der Lichtman und ich den Vorsprung, den wir beim Abbau rausgeholt haben, wieder damit nachts in einer Kleinstadt am Bodensee in 200000 Einbandstrassen unser Hotel zu finden respektive einen Parkplatz für den LKW. Um 7 Uhr morgens berührt meine Wange sanft das Kopfkissen, um 3 Stunden später wieder herausgerissen zu werden. Die Welt ist grausam ….